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Full text of "Schwedische Haus-Gymnastik nach dem System P.H. Ling's"

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K8640 


Med 


K8640 


nwedische 


Haus-Gymnastik 


nach  dem  System  P.H.Ling’s 

dargestellt  von 

Theodor  Bergqvist 

Direktor  der  Schwedischen  Qymnastikanstalt 
in  Wörishofen 


Wörishofen  1913 


WELLCOME  INSrfTUTE 
LIBRMY 

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No. 

Vorwort. 

Ueber  den  Nutzen  der  Gymnastik,  der  sy- 
stematischen Leibesübung  in  jedem  Sinne,  noch 
viel  Worte  zu  machen,  hiese  Eulen  nach  Athen 
tragen!  Die  Erkenntnis,  dass  rationelle  Körper- 
pflege die  Grundlage  nicht  nur  für  den  norma- 
len Ablauf  der  Funktion  des  Organismus  schafft, 
sondern  auch  den  Geist  und  die  Seelenkräfte  in 
positivem  Sinne  beeinflusst,  hat  sich  bei  allen 
Kulturvölkern  längst  Eingang  verschafft. 

Es  blieb  dem  Schweden  P.  H.  Ling  Vorbe- 
halten, die  Gymnastik  wissenschaftlich  auszu- 
bauen und  sie  als  Heil  gymnastik  für  den  kran- 
ken Körper  nutzbar  zu  mach#**?  ;als  eine  hervor- 
ragende Bereicherung  des  ärztftchqö,  Heilschatzes. 

In  diesem  Sinne  muss  auch  die  neueste 
Schöpfung  Bergqvist’s  „Schwedische  Hausgym- 
nastik“ aufgefasst  werden. 

Die  Freiübungen,  die  ‘ln  diesem  Leitfaden 
mit  grosser  Sorgfalt  nach  jahrzehntelanger  Er- 
fahrung zusammengestellt  sind,  bilden  für  Teder- 
mann. für  den  Laien  wie  für  den  Arzt,  für  den 
Gesunden  wie  Kranken,  besonders  für  alle  jene, 
die  in  ihrem  Berufsleben  wenig  Körperbewegung 


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sich  verschaffen  können  und  Gefahr  laufen,  kör- 
perlich zu  verkümmern,  eine  Quelle  reichen 
Nutzens  und  Segens.  Zwanzig  Minuten  Zeit 
sollte  und  kann  jeder  Mensch  pro  Tag  bei  gu- 
tem Willen  für  sich,  d.  h.  für  seine  Gesundheit, 
herausschlagen  und  mehr  erfordern  diese  Uebun- 
gen  nicht. 

Wenn  der  Verfasser  diese  Freiübungen  jetzt 
veröffentlicht,  so  verbindet  er  damit  einen  Akt 
der  Pietät  gegen  seinen  grossen  Landsmann,  der 
vor  nunmehr  hundert  Jahren  die  schwedische 
Gymnastik  geschaffen  und  den  Grundstein  zu 
ihrer  Weiterentwicklung  gelegt  hat. 

Das  Aerzte-Kollegium  Wörishofen,  welches 
durch  die  langjährige  Tätigkeit  des  Herrn  Direk- 
tors Bergqvist  in  hiesigem  Kurorte  reiche  Ge- 
legenheit gehabt  hat,  den  grossen  Wert  der 
schwedischen  Gymnastik  bei  der  Behandlung  der 
verschiedensten  Krankheitszuständen  beobachten 
zu  können,  begrüsst  vorliegende  Arbeit  mit 
Freuden  und  wünscht  ihr  weiteste  Verbreitung. 


Wörishofen,  im  Juni  1913. 


Dr.  med.  A.  Baumgarten.  Dr.  med.  Frz.  Kleinschrod. 
Dr.  med.  A.  Schalle.  Dr.  med.  A.  Scholz. 


„Nicht  jede  Bewegung  ist 
eine  Leibesübung“.  Galen. 

Gleichwie  Bewegung  Ausdruck  des  Lebens 
ist,  ebenso  ist  Bewegung  auch  Bedingung  des 
Lebens.  Wären  wir  auf  die  Lebensverhältnisse 
der  Naturmenschen,  der  Wilden  oder  Nomaden 
angewiesen,  so  wäre  auch  unser  Bewegungsbe- 
dürfnis dadurch  befriedigt,  denn  die  Mannigfal- 
tigkeit der  körperlichen  Anstrengungen,  welche 
die  Jagd,  das  Fischen  und  der  Kampf  ums  Da- 
sein im  ganzen  forderten,  waren  sicher  aus- 
reichend, um  auch  Gesundheit  zu  erzeugen  und 
die  für  clie  genannte  Lebensweise  notwendige 
körperliche  Entwicklung. 

Aber  obMeich  wir  im  grossen  und  ganzen 
gesehen  uns  mit  Recht  glücklich  preisen  müssen, 
in  zivilisierten  Verhältnissen  zu  leben,  so  kann 
es  nicht  verneint  werden,  dass  wir  in  gewis- 
ser Hinsicht  Grund  dazu  haben,  uns  als 
Opfer  derselben  Kultur  zu  betrachten.  Ein  oft 
von  der  Kinderstube  angewöhntes  Stillsitzen, 
manchmal  zu  sehr  verfeinerte  Lebensweise,  eine 
einseitige,  nicht  selten  überanstrengende,  hetzende, 


sowohl  körperliche  wie  auch  geistige  Arbeit  und 
vieles  andere  haben  in  unserer  Rasse  körperliche 
und  seelische  Disharmonien  hervorgerufen,  welche 
sich  in  verschiedenen  Formen  von  Ungesund- 
heit, Gebrechen  und  Missbildungen  äussern. 

Ausser  dem  so  allgemein  vorkommenden  Un- 
vermögen, seinen  Körper  zu  beherrschen,  welches 
sich  durch  Schwerfälligkeit,  schlechte  Haltung, 
hässlichen  und  nachlässigen  Gang  usw.  äussert, 
werden  als  solche  Disharmonien  gerechnet  un- 
vollständiger oder  gestörter  Stoffwechsel,  allge- 
meine Schwäche,  eingesunkene  oder  flache  Brust, 
runde  oder  schiefe  Rücken,  verzogene  Schultern, 
hängender  Kopf,  Blutarmut,  Fettbildungen  An- 
lage für  Lungen-,  Herz-  und  Magenkrankheiten, 
von  der  Geisel  unserer  Zeit,  den  nervösen  Lei- 
den gar  nicht  zu  reden,  alles  Dinge,  die  manch- 
mal zu  unheilbaren  Schäden  anwachsen,  nach- 
teilig auch  auf  die  Entwicklung  der  Seele  und 
unser  ganzes  geistiges  Dasein  einwirken. 

Sind  wir  also,  ohne  Uebertreibung,  Märty- 
rer der  Zivilisation  geworden,  so  liegt  es  ande- 
rerseits ausschliesslich  an  uns  selbst,  ob  wir 
solche  auch  fernerhin  bleiben  wollen  oder  nicht. 
Denn  um  solchen,  vom  Kulturleben  herrühren- 
den Gebrechen  unseres  Geschlechts  zu  steuern, 
ist  es  notwendig  geworden,  Möglichkeiten  aus- 
zudenken, und  sind  auch  solche  gefunden  wor- 
den, dass  genannten  Wirkungen  entgegengear- 
beitet und  dieselben  aufgehoben  werden.  Dahin 
gehört  u.  a.  gewisse  Arten  der  Bewegung  in 
Gebrauch  zu  nehmen,  welche  bei  Allen  und  Je- 


den  vollständig  das  Lebensbedürfnis  hiefür  be- 
friedigen können. 

Heutzutage  kennt  und  anerkennt  jeder  ver- 
nünftige Mensch  das  Dasein  dieser  in  Kürze  dar- 
gestellten kulturellen  Missverhältnisse,  aber  We- 
nige sind  in  Bezupr  auf  Anwendung  von  Mitteln 
zu  ihrer  Beseitigung  so  weit  gelangt,  wie  sie 
sein  sollten. 

„N  icht  jede  Bewegung  ist  eine 
Leibes  iibun  g“,  nicht  jede  Leibesübung  ist 
rationell,  d.  h.  unserem  Organismus  nützlich 
und  unser  Bewegungsbedürfnis  zufriedenstellend. 

Unser  Körper  braucht  täglich  ein  gewisses 
Quantum  von  Bewegungen  und  darum  ist  es 
von  grösster  Bedeutung,  einen  Vorrat  von  g u - 
t e n und  rationellen  Uebungen  zu  haben, 
welche  zu  Hause  gemacht  werden  können. 

Ein  Spaziergang  in  der  frischen  Luft  ist 
immer  zu  empfehlen  und  darf  von  Niemand  je- 
mals versäumt  werden;  Holzhacken,  Holzsägen, 
Rudern,  Reiten,  Radfahren  usw.  werden  öfters 
empfohlen;  indessen  sind  dies  zu  einseitige  Be- 
wegungen und  darum  nicht  in  jedem  Falle  ge- 
nügend. 

Gymnastische  Uebungen  arbeiten  am  besten 
den  Körper  allseitig  durch  und  sind  in  dieser 
Beziehung  durch  nichts  anderes  zu  ersetzen.  Die 
von  dem  Schweden  P.  H.  Ling  erfundenen 
gymnastischen  Uebungen,  welche  auf  wissen- 
schaftlicher rationeller  Grundlage  aufgebaut  sind, 
mit  ihren  Ergänzungen,  als  Spiele  und  Sport, 


sind  ein  Schatz,  der  grössten  Wert  hat.  Das 
äusserste  Ziel  solcher  Uebungen  ist,  Gesundheit 
zu  schaffen  und  zu  erhalten,  Krankheiten  voi zu- 
beugen, das  Gemüt  zu  zerstreuen  und  besonders 
bei  der  Jugend  Frühreife  zu  verhindern  und 
Entschlussfähigkeit  und  Tatkraft  zu  erzeugen. 

Eine  Gymnastik,  die  auf  einer  solchen  Basis 
ruht,  kann  am  besten  das  rein  individuelle  Be- 
dürfnis befriedigen;  sie  baut  nicht  allein  der 
Krankheit  vor,  sondern  kann  auch  körperliche 
Fehler  und  Gebrechen  verbessern.  Sie  vermag, 
mit  den  Muskeln  als  Werkzeug,  ausser  auf  die 
Muskeln  selbst  auch  auf  die  inneren  Organe 
und  deren  Funktionen  einzuwirken.  Sie  regelt 
den  Kreislauf  des  Blutes,  die  Atmung,  die  Er- 
nährung und  die  Verdauung;  sie  wirkt  auf  die 
Arbeit  der  Nerven  und  des  Gehirns,  und  als 
Folge  hievon  auch  auf  das  Seelenleben. 

Es  ist  aber  höchst  wünschenswert,  dass  ne- 
ben den  mehr  geordneten  Uebungen  Spiel  und 
Sport  in  angemessener  Weise  betrieben 
werden.  Werden  derartige  freiere  Beweo'uno'sar- 
ten  richtig  ausgeführt,  haben  sie  eine  grosse  Be- 
deutung durch  ihren  das  Gemüt  befriedigenden 
und  mitfortreissenden  Einfluss,  welcher  bedeutend 
gesteigert  wird,  wenn  dieselben  im  Freien,  in 
reiner,  frischer  Luft  stattfinden. 

Aber  körperliche  UebunPren  allein  vermögen 
nicht  alles;  auch  andere  hvgienische  Forderun- 
gen müssen  befriedigt  werden.  Dahin  gehören 
u.  a.  Wasseranwendungen,  frische  Luft,  Licht, 


Reinlichkeit,  Abhärtung  der  Haut,  vernünftige 
Kleidung,  einfache  und  gesunde  Nahrung,  ge- 
nügende Ruhe  und  Schlaf;  mit  einem  Wort:  im 
Uebrigen  die  Beobachtung  einer 
gesunden  Lebensweise. 


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Einfluß  der  Leibes-Übungen 
auf  dieverschiedenen  Organe 
unseres  Körpers. 

Bevor  wir  zu  der  Beschreibung  der  Uebun- 
gen  übergehen,  wollen  wir  etwas  Näheres  auf 
den  Einfluss  der  Leibesübungen  auf  die  verschie- 
denen Organe  unseres  Körpers  eingehen. 

Das  Muskelsystem. 

Ein  untätiger  Muskel  entartet,  d.  h.  wird 
kleiner  und  schwächer.  Durch  Körperbewegung 
hingegen  entwickeln  sich  die  Muskeln;  sie  wer- 
den röter  und  kräftiger  und  gleichzeitig  ent- 
wickelt sich  der  Knochenbau.  Der  durch  Be- 
wegungen hervorgerufene  Hunger  deutet  auch 
darauf  hin,  dass  in  den  Muskeln  ein  erhöhter 
Umsatz  stattgefunden  hat.  Dass  Muskelarbeit 
gesteigerte  Wärme  und  vermehrte  Oxydationspro- 
dukte mit  sich  führt,  ist  ein  direkter  Beweis  für 
den  m den  Muskeln  statthabenden  gesteigerten 
Umsatz. 

Wenn  Körperbewegungen  überhaupt  zu  ge- 
steigertem Umsatz  und  kräftiger  Entwicklung  der 
Muskeln  beitragen  können,  müssen  geeignete  Be- 
wegungen auch  auf  besondere  Muskeln  Einfluss 
auszuüben  imstande  sein,  den  Umsatz  in  gewis- 


sen  Muskelgruppen  steigern,  und  dadurch  bei 
bestehender  Erschlaffung  gesündere  Lebensver- 
haltnisse in  diesen  Muskeln  hervorrufen  können. 

Blutlauf  und  Blutbildung. 

Die  Erfahrung  lehrt  es  deutlich,  dass  Kör- 
perbewegungen auf  den  Blutlauf  von  Einfluss 
sind.  Lebhaftere  Rötung  der  Haut  und  beschleu- 
nigter Puls  beweisen  es;  ebenso  zeugt  die  ge- 
steigerte Wärme,  die  bei  Körperübungen  zustande 
kommt,  von  einem  gesteigerten  Umsatz. 

Zur  Blutbildung  und  zur  Erhaltung  der  nor- 
malen Zusammensetzung  des  Blutes  sind  nicht 
nur  Einnahmen  von  aussen  her  notwendig,  durch 
die  Ernährung  und  Atmung  vermittelt,  sondern 
das  Blut  muss  auch  in  normaler  Weise  lebhaft 
von  und  zu  den  verschiedenen  Körperteilen 
fliessen,  um  teils  sich  die  für  seine  Zusammen- 
setzung notwendigen  Bestandteile  zu  holen,  teils 
die  Abfälle  aus  den  Körpergeweben  fortzuschaf- 
fen und  an  gehöriger  Stelle:  den  Lungen,  der 
Haut,  den  Nieren  sich  von  denselben  zu  be- 
freien. Das  Blut  muss  ein  gewisses  Gleichge- 
wicht zwischen  Einnahmen  und  Abgaben  auf- 
weisen. Ein  kräftiger  normaler  Kreislauf  hat 
einen  lebhaften  Umsatz  zum  Zweck.  Von  die- 
sem ist  die  Erhaltung  der  Gesundheit  abhängig, 
und  er  gibt  uns  ein  Mittel  zur  Wiederherstel- 
lung der  gestörten  Gesundheit  an  die  Hand.  Auf 
dem  Einfluss,  den  geeignete  Körperbewegungen 
auf  die  Blutzirkulation  nicht  nur  im  Allgemei- 
nen, sondern  auch  in  einzelnen  Körperteilen  ha- 


ben  indem  sie  ihn  hier  beschleunigen  dort  ver- 
langsamen, beruht  die  Anwendbarkeit  der  Be- 
wegungen bei  allerlei  Gesundheitsstörungen. 

Die  Atmungs-Werkzeuge. 

Ein  geräumiger  und  beweglicher  Brustkorb 
ist  das  äussere  Merkmal  kräftiger  Atmungswerk- 
zeuge, und  kräftige  Atmungswerkzeuge  sind  für 
die  Gesundheit  von  einer  ausserordentlichen  Be- 
deutung. Durch  die  Atmung  wird  der  Luft 
Sauerstoff  entnommen,  der  mit  dem  Blute  in  die 
verschiedenen  Körperteile  verteilt  wird,  und  eben- 
so wie  die  ausgiebige  Berührung  der  Luft  mit 
dem  Brennmateriale  eine  lebhaftere  Verbrennung 
unterhält,  bewirkt  eine  reichliche  Zufuhr  von 
Sauerstoff  zum  Organismus  in  demselben  einen 
gesteigerten  Umsatz  und  bringt  verbrauchte  Stoffe 
in  den  Zustand,  in  welchem  sie  in  das  Blut 
eintreten  und  durch  Lungen,  Haut,  Nieren,  Darm 
usw.  abgegeben  werden.  Eine  Hauptverdienst 
der  von  Ling  ersonnenen  Methode  ist  es  auch, 
die  Atmungsorgane  besonders  berücksich- 
tigt zu  haben. 

Die  gymnastischen  Uebungen,  gut  und  rich- 
tig ausgewählt,  haben  eine  grosse  prophvlaktische 
Bedeutung,  indem  sie  einen  flachen  und  einge- 
sunkenen Brustkorb  erheblich  erweitern.  Durch 
die  Atemübungen  wird  die  oberflächliche  Atmung 
tief  und  normal,  der  Gasaustausch  vervollstän- 
digt und  die  Atmungsmuskeln  gekräftigt. 

Kurz  und  gut,  Atemübungen  haben  auf  den 
physiologischen  Prozess  der  Lungen  einen  er- 


staunlichen  Einfluss.  Leibesübungen  dieser  Art 
sind  nicht  nur  der  Entwicklung  der  Atmungs- 
werkzeuge förderlich,  sondern  veranlassen  ergie- 
bigeres Atem,  wodurch  beschleunigter  Blutlauf, 
gesteigerte  Blutbildung,  vermehrter  Umsatz  zu- 
stande kommt. 

Die  Verdauungs-Organe. 

Es  ist  eine  ziemlich  allgemein  bekannte  Tat- 
sache, dass  Körperbewegungen  die  Esslust  ver- 
mehren. Für  gesunde  und  kräftige  Verdauungs- 
organe und  gute  Verdauuno-  sind  Leibesübungen 
eine  unerläsliche  Bedingung.  Sowohl  die  mecha- 
nischen als  chemischen  Kräfte  werden  durch  kör- 
perliche Uebungen  gefördert.  Man  weiss  aus 
Erfahrung,  dass  kräftig  entwickelte  Bauchmuskeln 
eine  kräftige  Verdauung  mit  sich  führen  und  um- 
gekehrt. Es  zeigt  sich  auch,  dass  Bewegungen, 
die  auf  die  Bauchmuskeln  von  kräftigem  Ein- 
fluss sind,  auch  auf  die  Muskeln  des  Verclau- 
ungskanales  bedeutend  einwirken.  Die  Behebung 
einer  hartnäckigen  Stuhlverstopfung  durch  Bauch- 
muskelübungen ist  auch  ein  Beweis  hierfür.  In- 
dem zweckmässige  Körperbewegungen  einen  leb- 
haften Blutzufluss  zum  Verdauungskanale  begün- 
stigen, versteht  es  sich,  dass  durch  dieselben 
eine  vermehrte  Absonderung  der  Verdauungssäfte 
veranlasst  wird. 

Das  Nerven-System. 

Wie  der  Muskel  ohne  Bewegung  entartet, 
so  erschlafft  ein  untätiger  Nerv  und  kann  sogar 


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alle  Reizbarkeit  einbüssen.  Nerventätigkeit  ist 
notwendig,  um  Muskeltätigkeit  hervorzubringen, 
und  bei  näherer  Betrachtung  zeigt  es  sich,  dass 
hierbei  auch  die  Blutbewegung  beeinflusst  wird, 
so  dass  sowohl  den  tätigen  Nerven  als  Muskeln 
reichlicheres  Ersatzmaterial  zugeführt  wird. 

In  zweckentsprechender  Art  angewandte  Kör- 
perbewegungen besitzen  einen  kräftigen  Einfluss 
auf  Stärkung  und  Entwicklung,  sowie  Erhaltung 
eines  normalen  Zustandes  des  Nervensystems. 
Langjährige  Erfahrungen  lehren  aber  auch,  dass 
zweckmässige  Körperbewegung  ein  bedeutungs- 
volles Mittel  ist  zur  Heilung  von  Nervenstörun- 
gen. Ein  durch  Ueberanstrengung  überreiztes 
Nervensystem  wird  durch  sorgfältig  ausgewählte 
Körperbewegungen  beruhigt,  darum  wird  auch 
die  Bewegungstherapie  heutzutage  so  häufig  bei 
Neu  r asthenischen  verwendet  und  mit 
sehr  gutem  Erfolg. 

Von  höchster  Wichtigkeit  ist  die  Einwirkung 
der  rationellen  Leibesübungen  auf  das  Seelen- 
leben. Die  Uebungen  verlangen  eine  gestei- 
gerte Aufmerksamkeit;  sie  erfüllen  uns  mit  dem 
Bewusstsein,  eine  gute  Tat  zu  tun;  die  Stim- 
mung wird  gehobener  und  freudiger,  das  Selbst- 
vertrauen wird  geweckt.  Stolz  auf  den  Gedan- 
ken, dass  man  selber  zur  Genesung  beigetragen, 
gewinnt  man  wieder  eine  heitere  Gemütslage. 
Die  Charakter  nimmt  die  alte  Festigkeit  an,  und 
später  erlangt  man  allmählich  die  Fähigkeit, 
aus  eigenem  Antriebe,  aus  eigener  Initiative  zu 
handeln. 


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Allgemeine  Ratschläge. 

Bevor  wir  unsern  Lesern  die  folgende 
Uebungsserie  zur  Benützung  übergeben,  müssen 
wir  ganz  entschieden  hervorheben,  dass  dieselbe 
nicht  eine  Schablone  ist,  die  für  Jedermann  sich 
eignet,  sondern  es  müssen  die  Uebungen  dem 
Kräftezustand  jedes  Einzelnen  angepasst  werden. 
Darum  haben  wir  bei  jeder  Uebung  eine  nie- 
dere und  eine  höhere  Zahl  der  Ausführung  an- 
gegeben. 

Kränkliche  Personen  dürfen  unter  keinen 
Umständen  diese  Uebungen  vornehmen  ohne 
ihren  behandelnden  Arzt  befragt  zu  haben. 

Für  schwächliche  Personen  ist  es  angezeigt, 
nur  eine  kleine  Anzahl  von  den  leichteren  Uebun- 
gen zu  nehmen,  z.  B.  Nr.  1—7,  9—14,  16,  18, 
24,  25. 

* * 

* 

Folgende  allgemeine  Erläuterungen  müssen 
genau  beachtet  werden: 

1 . Die  Uebungen  sollen  am  besten  früh  mor- 
gens vorgenommen  werden,  weil  sie  dann  am 
wirksamsten  sind;  vor  dem  Schlafengehen  die- 
selben auszuführen  ist  nicht  ratsam,  da  sie  in 
vielen  Fällen  den  Schlaf  beeinträchtigen. 


2.  Man  nehme  die  Uebungen  bei  schönem 
Wetter  tunlichst  im  Freien  vor,  bei  schlechtem 
Wetter  im  Zimmer  vor  offenem  Fenster. 

3.  Die  Kleidung  soll  möglichst  lose  sein; 
in  keinem  Falle  die  Taille  oder  den  Hals  ein- 
schniiren,  die  Atmungsbewegung  behindern  oder 
den  Unterleib  einpressen. 

Schnürleib,  enge  Halsbinde,  die  Beine  um- 
schnürencle  Strumpfbänder  dürfen  dabei  nicht 
getragen  werden. 

4.  Die  einzelnen  Bewegungen 
müssen  stets  mit  Ruhe,  langsam 
und  genau  unter  guter  Körperhal- 
tung ausgeführt  werden.  Vor  allem 
muss  die  richtige  Stellung  eingenommen  und 
während  der  Ausführung  der  Uebungen  beibe- 
halten werden. 

Wenn  die  Uebung  eine  Empfindung  von 
Wohlbehagen  erzeugt,  so  ist  dies  ein  Zeichen, 
dass  sie  richtig  und  mit  genügender  Kraft  aus- 
geführt wurde. 

5.  Die  ganze  Serie  soll  mindestens  20  Minu- 
ten dauern  und  nach  jeder  Uebung  muss  eine 
kurze  Ruhepause  eingehalten  werden. 

Nach  den  Uebungen  ist  ein  Spaziergang  im 
Freien  sehr  zu  empfehlen. 


Die  Atmung. 

Das  richtige  Atmen  ist  bei  al- 
len nachfolgend  beschriebenen 
Uebungen  äusserst  wichtig  und 
darf  unter  keinen  Umständen  und 
bei  keiner  Uebung  versäumt  wer- 
den. 

1.  Das  Atmen  geschieht  am  besten  so,  dass 
man  durch  die  Nase  einatmet,  wodurch  die 
Luft  erwärmt  und  gereinigt  wird,  durch  den 
Mund  aber  ausatmet.  Die  Ausatmung  soll  et- 
was länger  erfolgen  als  die  Einatmung. 

Diese  Weise  zu  atmen  haben  wir  während 
langjähriger  Praxis  als  die  beste  und  vorteilhaf- 
teste gefunden. 

2.  Da  das  Blut  in  den  Lungen  durch  Sauer- 
stoff erneuert  wird,  liegt  es  auf  der  Hand  wie 
notwendig  und  wichtig  es  ist  die  Atemübungen 
genau  und  richtig  durchzuführen.  Darum  haben 
wir  nachfolgende  Serie  so  zusammengestellt,  dass 
man  sagen  kann,  sämtliche  Uebungen,  mit  wenig 
Ausnahmen,  sind  auch  Atemübungen. 

Uebrigens  ist  bei  den  meisten  Uebungen  an- 
gegeben wie  zu  atmen  ist.  Wo  keine  Angabe 
vorkommt,  wird  oberflächlich  geatmet. 


Figur  1. 

flrmhebung  seitwärts-hoch. 


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^ Qgxxojixxxxxxajcnooco  ^ cooono|myxix»|omtTnr> 


Übungs-Serie. 

1 . Armhebung  seitwärt  s-h  och  6—8 
mal.  (Fig.  1.) 

a)  Die  frei  herabhängenden  gestreckten  Arme 
werden  in  ruhigem  Tempo  seit-aufwärts 
emporgehoben  unter  Einatmung. 

b)  Die  hochgestreckten  Arme  werden  langsam 
seitwärts  zur  Grundstellung  gesenkt  unter 
Ausatmung. 

2.  Fussklappen  15— 30  mal.  (Fig.  2.) 

Unter  Beibehaltung  der  Grundstellung  wer- 
den die  Fussspitzen  wechselweise  kräftig 
gehoben  und  gesenkt. 

3.  Hebung  und  Senkung  des  Kör- 
pers auf  den  Zehen  in  Grundstellung 
und  Schlussstellung  mit  Hüftenfest*)  6 — 12  mal. 
(Fig.  3.) 

a)  Die  Fersen  werden  langsam  vom  Boden 
erhoben  und  der  Körper  bleibt  dabei  in 
aufrechter  Haltung.  Einatmen. 

*)  Für  manche  Übungen  ist  es  zweckmäßig,  durch  festes 
Einsetzen  der  Hände  (mit  den  Daumen  hinten,  den  übrigen 
Fingern  vorn)  auf  die  Hüften,  diese  zu  festigen  und  dadurch 
zugleich  auch  die  Arme  zu  fixieren  = Hüften  fest. 


Figur  2. 
Fußklappen. 


Figur  3. 

Hebung  und  Senkung  des  Körpers  auf  den  Zehen. 


21 


b)  In  der  Hebestellung  wird  einige  Momente 
verweilt  hierauf  senken  sich  Körper  und 
Fersen  langsam  herab.  Ausatmen. 

4.  Vorwärts-  und  Rückwärtsbeugen 
in  Spreizstellung  mit  Hüftenfest  4—6  mal. 
(Fig.  4.) 

a)  Der  Rumpf  wird  mit  durchgedrückten 
Knieen  unter  Ausatmung  nach  vor- 
wärts gebeugt  und 

b)  aus  dieser  Stellung  wird  der  Oberkörper 
stetig  rückwärts  gebeugt  unter  Einat- 
mung; diese  Bewegung  muss  vorsichtig 
und  ohne  Uebertreibung  stattfinden. 

5.  S e i t w ä r t s-B  e u g e n und  Strecken  in 
Spreizstellung  mit  Seithebhalte  der  Arme  4 
bis  6 mal.  (Fig.  5.) 

Die  Arme  werden  in  Spreizstellung  bis 
zur  Horizontale  gehoben,  ln  dieser  Stel- 
lung beugt  sich  der  Oberkörper  ohne  Ver- 
drehung so  weit  als  möglich  rechts  resp. 
links  herab  unter  Einatmung,  die  Rück- 
bewegung geschieht  unter  Ausatmung; 
die  Fussohlen  dürfen  während  der  ganzen 
Uebung  sich  nicht  vom  Boden  erheben. 

6.  Rumpfdrehung  in  Spreizstellung  mit 
Seithebhalte  der  Arme  4— 6 mal.  (Fig.  6.) 

Die  Drehung  erfolgt  stetig  und  ruhig  mit 
gestreckten  Beinen  rechts  resp.  links  unter 
Einatmung  und  zwar  so  weit,  dass 
die  Schulterlinie  einen  rechten  Winkel  ge- 
gen die  Frontlinie  bildet.  Die  Rückbewe- 
gung geschieht  unter  Ausatmung. 


Figur  4. 

Vorwärts- und  Rückwärts-Beugen. 


I 


Figur  5. 

Seitwärts-Beugen. 


1 


Figur  6. 

Rumpfdrehung. 


IggOESEä  25 


7.  Hochheben  und  Senken  der  Arme 

seitwärts-aufwärts  unter  Handbeugen  und 
-strecken  3— 4 mal.  (big.  7.) 

Während  des  Hochhebens  und  Senkens 
werden  die  Handgelenke  kräftig  gebeugt 
und  gestreckt. 

8.  Kopfkreisen  6— 10  mal.  (Fig.  8.) 

Der  Kopf  beschreibt  langsam  von  rechts 
nach  links  und  ebenso  oft  von  links  nach 
rechts  eine  trichterförmige  Kreisbewegung, 
mit  Festhalten  der  Schultern  in  der  Front- 
linie. Einatmen  beim  Rückbeugen,  aus- 
atmen beim  Vorbeugen.  Personen,  welche 
bei  dieser  Uebung  Schwindel  erleiden,  las- 
sen sie  besser  weg. 

9.  Hochheben  und  Senken  der  Arme 
mit  Fingerspreizen  und  -schlies- 
s e n 3—4  mal.  (Fig.  9.) 

Während  des  Hochhebens  und  Senkens 
werden  die  Finger  alle  auseinander  ge- 
spreizt und  wieder  geschlossen. 

* * 

* 

Hier  empfiehlt  sich  für  kräftige  und  gesunde 
Leute  ein  Kurzlauf  unter  möglichst  guter  Kör- 
perhaltung bis  1 7 2 Minuten.  Beim  Laufen  wird 
der  Oberkörper  nur  ein  wenig  vorgeneigt  und 
die  Unterarme  leicht  aufgenommen  und  bewegt. 

Nach  dem  Kurzlauf  erfolgt  1 bis  2 Minu- 
ten gewöhnlicher  Gang,  worauf  die  Uebungs- 
serie  fortgesetzt  wird. 


Figur  7. 

Hochheben  und  Senken  der  Arme. 


Figur  8. 
Kopfkreisen. 


Figur  9. 

Hochheben  und  Senken  der  Arme  mit  Fingerspreizen. 


10.  Zwerchfellatmung  unter  Kopf- 
beugung rückwärts  6 — 8 mal.  (Fig.  10.) 

a)  Die  rechte  Hand  wird  auf  die  Magengrube 
gelegt  und  führt  einen  Gegendruck  bei  der 
Einatmung  aus. 

b)  Kopfbeugung  rückwärts  bedarf  keiner  Be- 
schreibung. — Nicht  übertreiben  und  nicht 
zu  lange  in  der  Beugestellung  verweilen. 
Bei  Kopfrückwärtsbeugen  e i n a t m e n,  bei 
Vorbeugen  ausatmen. 

11.  Armhebung  seitwärts  unter  He- 
bung und  Senkung  des  Körpers  auf  den 
Zehen.  6 — 8 mal.  (Fi?.  11.) 

a)  Die  frei  herabhängenden  gestreckten  Arme 
werden  unter  Einatmung  unverdreht  in 
ruhigem  Tempo  stetig  seitwärts  emporge- 
hoben bis  etwa  45  Grad  über  die  hori- 
zontale Schulterlinie,  die  Rückenfläche  der 
Hände  einander  zugekehrt;  hiernach  wer- 
den die  Arme  eben  so  ruhig  unter  Aus- 
atmung seitlich  herabgesenkt. 

b)  Hebung  und  Senkung  des  Körpers  siehe 
Bewegung  Nr.  3. 

12.  Beinkreisen  4— 6 mal.  (Fig.  12.) 

Das  vorwärts  gehobene  und  straffgestreckte 
Bein  wird  in  ruhiger  Kreisbewegung  seit- 
wärts-rückwärts  unter  aufrechter  Körperhal- 
tung geführt,  und  die  Grundstellung  wie- 
der eingenommen;  hierauf  wird  die  Bewe- 
gung von  neuem  angefangen. 


Figur  10. 

Zwerchfell-Rtmung. 


31 


32 


Figur  12. 
Beinkreisen. 


13.  Armbeugen  und  -strecken  auf- 
wärts, seitwärts,  vorwärts  und  abwärts, 
zweimal  in  jeder  Richtung.  (Fig.  13.) 

Jede  der  Streckungen  erfolgt  in  2 Tempos, 
von  welchen  das  erste  durchgängig  in  der 
Aufwärtsbewegung  der  Arme  besteht,  de- 
ren Form  in  Fig.  13  ersichtlich  ist. 

14.  Kniebeugung  und  -Streckung 
4— 6 mal.  (Fig.  14.) 

Bei  aufrechter  Körperhaltung  mit  Hüften- 
fest Fersen  heben  und  einatmen 
Tempo  1;  tief  in  die  Kniebeuge  gehen  und 
ausatmen  Tempo  2;  widerstrecken  der 
Kniee  und  so  zurückgehen  in  den  Zehen- 
stand und  einatmen  Tempo  3;  herab- 
senken der  Fersen  und  einnehmen  der 
Grundstellung  und  a u s a t m e n Tempo  4. 

15.  Rumpfkreisen  in  Spreizstellung  4—6 
mal  mit  Hüftenfest.  (Fig.  15.) 

Mit  durchgedrückten  Knieen  beschreibt  der 
Rumpf  langsam,  möglichst  ausgiebige  Kreise 
von  rechts  nach  links  und  ebenso  oft  von 
links  nach  rechts.  Die  Bewegung  erfolgt 
im  Hüftgelenk  und  im  Lendenteil  der  Wir- 
belsäule. 

Bei  Rückwärtskreisen  einatmen.  bei 
Vorwärtskreisen  ausatmen. 

16.  Armhebung  vorwärt  s-aufwärts, 
-Se  n k u n g seitwärt  s-abwärts  4—6 
mal.  (Fig.  16.) 

a)  Die  frei  herabhängenden  gestreckten  Arme 
werden  paralell  und  unverdreht  im  ruhigen 


Figur  13. 

Armbeugen  und  -strecken. 


Figur  14. 
Kniebeugung. 


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Figur  15. 
Rumpfkreisen. 


Tempo  stetig  vorwärts-aufwärts  mit  den 
inneren  Handflächen  einander  zugekehrt 
und  die  Hände  mehr  als  Schulterbreite  von 


Figur  16. 
Armhebung. 


einander  entfernt,  emporgehoben  bis  zur 
senkrechten  Stellung  unter  Einatmung, 
b)  Aus  dieser  Stellung  werden  die  Arme  lang- 
sam seitwärts  nach  unten  gesenkt  unter 
Ausatmung. 


I 38 


Figur  17. 

Handstütz  vorneigstehende  Armbeugen. 


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Figur  18. 
Kniespannung. 


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Figur  19. 

Seitwärts-Beugen. 


17  Handstütz  vorneigstehende 

Armbeugen  und  -Strecken  4-0 
mal.  (Fig.  17.) 

a)  Die  Arme  werden  auf  einem  Fenstei  biett, 

Stuhl  oder  Bettkante  gestemmt  im  Ellbogen 
durchgedrückt,  die  Beine  voll  gestreckt  und 
zusammen  3 Fusslängen  nach  rückwärts  ge- 
stellt. 

b)  Die  Arme  werden  unter  Einatmung 

gebeugt  und  dann  unter  Ausatmung 

wieder  gestreckt. 

18.  Kniespannung  mit  Hüftenfest  4 — 6 mal. 
(Fig.  18.) 

Der  liebende  stellt  sich  eine  Armlänge  ent- 
fernt von  einem  Stuhl  oder  Bank  und  setzt 
den  rechten  resp.  linken  Fuss  mit  der  Fuss- 
spitze  darauf,  beugt  das  rechte  resp.  linke 
Knie  soweit  als  möglich  und  streckt  das- 
selbe langsam  aber  kräftig.  Das  Knie  des 
linken  resp.  rechten  Beines  bleibt  dabei 
durchgedrückt. 

19.  Seitwärtsbeugen  und  -Strecken 
mit  Seitstemmen  eines  Beines  4 — 6 mal. 
(Fig.  19.) 

Die  Uebung  wird  ausgeführt  mit  Hüften- 
fest und  beide  Kniee  chirchgedriickt  in  ähn- 
licher Weise  wie  Nr.  5. 

20.  a)  Rückwärtsbeugen  4—6  mal. 

(Fig.  20  a.) 

Der  Uebende  stellt  sich  eine  Armlänge  ent- 
fernt von  einem  Stuhl  oder  Bank  und  setzt 
die  rechten  resp,  linken  Fussspitze  darauf. 


Figur  20a. 
Rückwärts-Beugen. 


Figur  20b. 

Sitzende  Rückwärts-Beugen. 


1 44 


Figur  20c. 

Liegende  Beinheben. 


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Die  Rückwärtsbewegung  wird  gemacht  mit 
gestreckten  Beinen,  siehe  Nr.  5 b. 

b)  S i t z e n d e Rückwärtsbeugen  mit 
Hüftenfest  3 — 5 mal.  (Big.  20  b.) 

Der  Uebencle  sitzt  auf  einem  Stuhl  ohne 
Lehne  oder  auf  einer  Bank,  die  gestreck- 
ten Beine  werden  auf  den  Boden  mit  Hilfe 
gestützt.  Beim  Rückwärtsbeugen  einat- 
men,  beim  Auf  richten  a u s a t m e n. 

c)  Liegende  Beinheben  3 — 5 mal. 

(Fig.  20  c.) 

Der  Uebende  legt  sich  am  besten  auf  einen 
Teppich  am  Boden  und  hebt  seine  Beine 
straff  zusammengehalten  so  wie  Fig.  20c  zeigt. 
Beim  Heben  einatmen  und  beim  Sen- 
ken a u s a t m e n. 

Die  beiden  Uebungen  20  b und  20  c müssen 
mit  Vorsicht  vorgencmmen  werden  und 
passen  überhaupt  nur  für  kräftigere  Leute. 
Unter  allen  Umständen  dürfen  die  Uebun- 
gen 20  a.  b.  c.  nicht  unmittelbar  auf 
einander  folgen  ohne  eine  längere  Ruhe- 
pause. 

21.  Siehe  Uebung  Nr.  16. 

22.  Ausfall  4— 6 mal.  (Fig.  21.) 

Der  eine  Fuss  wird  in  derselben  Richtung 
in  welchem  er  in  Grundstellung  steht,  rasch 
um  2 Fusslängen  (von  seiner  Spitze  an 
gerechnet)  vorgesetzt.  Der  Oberkörper  nebst 
Bein  des  stehenbleibenden  Fusses  so  weit 
in  gleicher  Richtung  vorgeneigt,  dass  der 
Oberkörper  und  das  hintere  Bein  eine  ge- 


Figur  21 . 
Ausfall. 


lK«>Ste-»>SllK«-&lra-»>Sl  47  !K<e&lFF>>ilfr6<e&lh3^>Si 


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Figur  22. 
Rumpfbeugung. 


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Figur  23. 
flrmschlagen. 


rade  Linie  bilden.  Das  Körpergewicht 
ruht  auf  dem  vorderen  Fuss,  der  ge- 
winkelt ist,  so  dass  das  Knie  sich  senk- 
recht über  der  Fusspitze  befindet.  Die 
Uebung  wird  in  2 Tempos  gemacht  und 
ebenso  gewechselt  1.  Grundstellung,  mit 
den  Armen  Beugstellung  siehe  Nr.  13,  2. 
in  zweite  Tempo  erfolgt  der  Ausfall  mit 
dem  vorderen  Arm  nach  aufwärts  und  dem 
hinteren  nach  rückwärts  gestreckt. 

23.  Rumpfbeugung  mit  Armheben  und 

-Senken  in  Spreizstellung  2 — 4 mal.  (Fig.  22.) 
Der  Oberkörper  wircl  unter  seithochheben 
der  Arme  nach  rückwärts  gebeugt  mit 
Einatmung  darauf  nach  vorn  und  un- 
ten mit  durchgedrückten  Knieen  gebeugt 
mit  Ausatmung  wonach  die  Grund- 
stellung wieder  eingenommen  wird. 

Die  Uebung  ist  mit  Vorsicht  vorzunehmen. 

24.  Armschlagen  6— 8 mal.  (Fig.  23.) 

Die  Oberarme  werden  rasch  seitwärts  bis 
zur  Schulterhöhe  emporgehoben  und  der 
Unterarm  so  weit  bis  an  den  Oberarm  her- 
angewinkelt, dass  cler  Daumen  der  gestreck- 
ten Hand  das  Schultergelenk  berührt.  Nun 
werden  die  Vorderarme  mit  kräftigem 
Schwung  in  der  horizontalen  Ebene  seit- 
lich geschleudert  und  so  weit  nach  hinten 
als  die  Einrichtung  des  Schultergelenkes  es 
ermöglicht.  Beim  Schlagen  wird  e i n ge- 
atmet und  beim  Beugen  ausgeatmet. 


H 50 


Figur  24. 
firmrollen. 


25  Arm  rollen  4— 6 mal.  (Fig.  24.) 

Die  Rollung  besteht  in  einer  langsamen 

Kreisführung  der  gestreckten  Arme  aus  dem 
Schultergelenk.  Die  Kreise  müssen  regel- 
mässig mit  beiden  Armen  und  nicht  zu 
gross  gemacht  werden,  etwa  nach  oben  so 
hoch,  dass  die  Hände  die  Scheitelhöhe  er- 
reichen. Beim  Rückwärtsrollen  geschieht 
die  Einatmung  und  beim  Vorwärts- 
rollen die  Ausatmung. 


Alle  Rechte,  auch  das  der 
Übersetzung,  Vorbehalten. 


Selbstverlag  des  Herausgebers. 

Druck  der  Buchdruckerei  und  Verlagsanstalt  Wörishofen.